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Eisengießerei Baumgarte, Bielefeld

Der Kampf gegen hohe Energiepreise

Die politisch induzierten hohen Strom- und Gaspreise in Deutschland setzen dem produzierenden Mittelstand zu. Die Eisengießerei Baumgarte aus Bielefeld ist eines der betroffenen Unternehmen. Der Geschäftsführer Dipl.-Ing./Dipl.-Wirt.-Ing. Clemens Küpper hat in einem Gespräch mit dem Ökonomen Dr. Daniel Stelter einen interessanten Lagebericht gegeben. Nachfolgend eine Zusammenfassung. Den Podcast dazu mit dem Titel "Wir können nicht einfach weg" finden Sie hier

Zum Unternehmen

Baumgarte produziert pro Jahr rund 20.000 Tonnen Guss aus Schrott in verlorenen Formen. Mehr als 50 Prozent des Umsatzes entfallen auf Pumpengehäuse im Maschinenbau. Das Sortiment enthält aber auch Exotisches wie Klavierrahmen. Die Wettbewerber kommen aus Frankreich, zunehmend aber aus Polen und der Türkei. Der Umsatz lag 2022 bei rund 65 Mio. Euro. Er wird 2023 auf geschätzte 80 Mio. Euro steigen. Das liegt aber vornehmlich an der 25-prozentigen Preisanhebung, die aufgrund der gestiegenen Strompreise nötig war. 10 Prozent der Absatzmenge gingen dadurch sogar bereits verloren.

Strompreise

Das führt zum Kern des Problems von Baumgarte, das auch im restlichen industriellen Mittelstand in Deutschland im Brennpunkt stehen dürfte: die exorbitant gestiegenen Strompreise. Betrugen die Stromkosten von Baumgarte in Normalzeiten 4 Mio. Euro pro Jahr, was 10 Prozent der Gesamtkosten entsprach, so stiegen sie 2022 auf 20 Mio. Euro p.a. und 30 Prozent der Gesamtkosten. 

Diese unerfreuliche Entwicklung führte dazu, dass die Geschäftsführung und der Vertrieb seit fast einem Jahr überwiegend nur noch mit Energiefragen und Preisgesprächen bei Kunden beschäftigt sind. Die Zeit für Innovatives und eine investive Unternehmensentwicklung fehlt bis heute.

Aktuell steht die Budgetplanung für 2024 an. Alle Kunden erwarten eine klare Aussage, ob die Preisanhebungen weitergehen. Doch Prognosen dazu sind schwierig. Die Gefahr für weitere Kundenverluste ist groß, vor allem dann, wenn die Kunden ihre eigenen Standorte selbst z. B. nach Osteuropa verlagern. 

Lösungen

Eine Standortverlagerung kommt für Baumgarte nicht infrage. Die traditionelle Verbundenheit mit der Region ist einfach zu groß. Auch sind die Produktions- und Geschäftsprozesse mit den 300 Mitarbeitern zu eingespielt. 

Das ostwestfälische Unternehmen sitzt damit wie viele andere Mittelständler auch in der Zwickmühle. Um überleben zu können, ist nach aktueller Lage ein subventionierter Industriestrompreis notwendig, obwohl kein KMU gerne am Tropf des Staates hängt. Kommt keine finanzielle Unterstützung von der Bundesregierung und wird auch das Stromangebot z. B. durch das Wiederanfahren einiger der ehemals 17 Kernkraftwerke nicht erhöht, bleibt wohl nur die schrittweise Drosselung der Produktion. Das Ende wäre damit aber absehbar.

Interessant ist auch der kritische Hinweis von Clemens Küpper auf das Preisbildungssystem an der Leipziger Strombörse. Nach dem derzeitigen Merit-Order-System bestimmen die Grenzkosten des letzten und teuersten Kraftwerkes den Marktpreis. Deutschland hält anders als z. B. Spanien an diesem verfehlten Preisbildungsmechanismus fest, der auch für Rekordgewinne bei den übrigen Stromproduzenten sorgt. Wenn die Stromnachfrage durch die Digitalisierung, E-Mobilität und Wärmepumpen steigt, wird es zu keiner Entlastung kommen.

Website: https://www.eisengiesserei-baumgarte.de/de/home.html

Copyright Text: www.best-practice-forum.de 

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