Denken von der Nullbasis

Strategisch neu denken und handeln

iStock, fizkes

Der deutsche Mittelstand befindet sich mit Ausnahme einiger Branchen, die staatlich gefördert werden (z. B. Waffen, Klima, Datencenter), in einer schon lange Jahre andauernden Krise. Der neue DATEV-Mittelstandsindex gibt hierzu präzise Auskunft. Daher ist es wichtig, seine eigene Strategie, Geschäftsmodelle und Unternehmensprozesse radikal zu hinterfragen. Gefragt ist dann ein Denken von der Nullbasis, englisch auch Zero-Base-Thinkinggenannt.

Kernidee

Man setzt dabei gedanklich alles auf „Null“ und fragt, welche Aktivitäten, Produkte, Projekte und Strukturen man heute – unter den aktuellen Rahmenbedingungen – nochmals bewusst wählen würde. Es geht um das systematische Hinterfragen historischer Entscheidungen und Gewohnheiten: Was nur deshalb existiert, weil es „immer schon so war“, muss neu begründet werden oder fällt weg.

Inhalte

Ein mittelständisches Unternehmen kann zero-based thinking auf mehrere zentrale Felder anwenden:

  • Geschäftsmodell und Produktportfolio: Welche Produkte, Leistungen und Kundensegmente würden wir heute aktiv neu aufsetzen, wenn wir bei Null anfangen würden?
  • Tradition kappen: Artikel, Services oder Kundenbeziehungen, die nur aus der Historie bestehen, aber strategisch wenig zum Erfolg beitragen, werden hinterfragt oder konsequent zurückgebaut.
  • Kosten: Gemeinkosten und Overhead nicht mehr automatisch verlängern: Jede Kostenposition wird einem aktuellen Nutzen–Kosten-Vergleich unterzogen.
  • Ressourcen: Kapital und Personal werden dort konzentriert, wo sie in der heutigen Wettbewerbslage den höchsten Beitrag zur Wertschöpfung leisten.
  • Organisation: Ausgehend von den aktuellen Zielen wird geprüft, welche Funktionen und Hierarchien wirklich nötig sind – als würde das Unternehmen gerade frisch gegründet. Prozesse werden von Grund auf neu gedacht – nicht als Optimierung der bestehenden Abläufe, sondern als Neuentwurf, der dann mit der Realität abgeglichen wird.
  • Strategische Prioritäten: Politische „heilige Kühe“, die vor allem aufgrund interner Machtkonstellationen existieren, werden anhand objektiver Wirtschaftlichkeitsmaßstäbe neu bewertet. Aktivitäten werden nach ihrer Wirkung und Kosten in eine Reihenfolge gebracht.

Umsetzungsschritte 

Für einen Mittelständler bietet sich ein pragmatischer Einstieg an, der das Denkmodell mit überschaubarem Aufwand in die Praxis überführt:

  • Pilotprojekt und Ziele wählen: Start mit einem abgegrenzten Bereich: z.B. Geschäftsbereich, Produkt oder Verwaltung (Overhead).
  • Bestandsaufnahme „ohne Historienbonus“: Aktivitäten und Kosten erfassen, aber bewusst ohne Verweis auf „so war es letztes Jahr“ – jede Aktivität wird als eigenständiges Entscheidungspaket beschrieben. Zu jedem Paket Zweck, Nutzen, Kosten, Risiken und mindestens eine schlankere Alternative definieren.
  • Nullbasierte Entscheidungslogik anwenden: „Würden wir dies heute neu einführen?“ Falls nein oder nur abgeschwächt, wird das Paket gestrichen, reduziert oder umgebaut.
  • Kulturelle Verankerung: Kommunikation, Schulungen und Beteiligung von Mitarbeitern.

Risiken

Denken von der Nullbasis ist ein radikaler Ansatz, der meistens zu internen Widerständen und allen anderen Problemen von Veränderungsprojekten führt. Es ist daher in der Regel erst dann möglich, wenn die Krise da ist und das Unternehmen mit dem Rücken zur Wand steht. Wer es vorher schafft benötigt eine charismatische Führung und Profis im Change Management.

Auch interessant

Keine Nachrichten verfügbar.

Rechte Spalte

Hier etwas Text

Newsletter | Jetzt anmelden!

Mit unserem kostenlosen Newsletter bleiben Sie auf dem Laufenden. Jeden Monat viele neue Trends und Best-Practice-Beispiele. Nachfolgend bitte registrieren.

Pflichtfelder
Wenn Sie in unserem Newsletter persönlich angeredet werden möchten, füllen Sie bitte noch diese Felder aus:

*) Pflichtfeld.

Copyright: mittelstandsforum-koeln-bonn.de | Kontakt: Dr. Michael A. Peschke.

▲