Unternehmen schnell und einfach bewerten

Was ist mein Betrieb 2026 wert?

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Branchen-Multiples liefern Mittelständlern, die den Wert Ihres Unternehmens überschlägig berechnen möchten, in wenigen Minuten eine erste Preisindikation. Sie ersetzen kein Gutachten eines Wirtschaftsprüfers, zeigen aber, ob die eigenen Preisvorstellungen realistisch sind. Für eine schnelle Ersteinschätzung haben sich aus dem Prinzip der aufwendigen Ertragswert- und Discounted-Cash-Flow-Verfahren (DCF) einfache, praxisorientierte Multiplikatoransätze entwickelt.

So funktioniert das Multiplikatorverfahren

Die Grundformel ist simpel:

Unternehmenswert = bereinigte Ergebnisgröße × Branchen-Multiple

Als Ergebnisgröße dienen in der Praxis vor allem:

  • EBITDA – Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen. Die heute gängigste Basis bei KMU-Transaktionen.

  • EBIT – Ergebnis vor Zinsen und Steuern, also nach Abschreibungen. Aussagekräftiger bei anlageintensiven Betrieben.

  • Umsatz – nur als Plausibilitätscheck oder wenn das Ergebnis (noch) negativ ist, etwa bei Start-ups.

Wichtig: Jede Ergebnisgröße hat ihren eigenen Multiple. Da das EBITDA stets höher ist als das EBIT, ist der EBITDA-Multiple für denselben Unternehmenswert zahlenmäßig niedriger. Wer ein EBIT mit einem EBITDA-Multiple multipliziert (oder umgekehrt), bewertet systematisch falsch.

Die richtige Ergebnisgröße ermitteln

Der Multiple ist nur so gut wie die Zahl, auf die er angewendet wird. Drei Schritte sind entscheidend:

  1. Mehrjahresdurchschnitt bilden: Ein einzelnes Jahr kann durch Sondereffekte verzerrt sein. Üblich ist der Durchschnitt der letzten drei Geschäftsjahre; ergänzend können das laufende Jahr und eine realistische Planung einfließen. Vorsicht: Käufer bezahlen ungern für Planzahlen, die der Verkäufer selbst noch nicht erreicht hat.

  2. Bereinigen: Einmalige und betriebsfremde Effekte herausrechnen – etwa Restrukturierungskosten, Sondererträge, Immobilienverkäufe oder den privat genutzten Pkw.

  3. Unternehmerlohn normalisieren: In inhabergeführten Betrieben ist das Geschäftsführergehalt oft steueroptimiert niedrig. Für die Bewertung muss ein marktübliches Gehalt für einen angestellten Geschäftsführer angesetzt werden – sonst ist der Wert künstlich aufgebläht.

Bei Start-ups ist eine Durchschnittsbildung nicht möglich. Hier muss eine plausible nachhaltige Ertragsgröße geschätzt oder hilfsweise mit Umsatz-Multiples gearbeitet werden.

Der finanzmathematische Hintergrund

Hinter dem Multiple steckt die Logik der Ertragswertmethode: Alle künftigen Überschüsse werden mit einem risikoangepassten Zinssatz auf heute abgezinst. Bei unendlicher Laufzeit ergibt sich eine ewige Rente, der Multiple ist dann der Kehrwert des Kapitalisierungszinses:

Multiple = 1 / (Kapitalisierungszins − Wachstumsrate)

Beträgt der Risikozins beispielsweise 20 Prozent und wächst das Ergebnis nicht, ergibt sich ein Multiple von 1 / 0,20 = 5. Bei 2 Prozent dauerhaftem Wachstum steigt er auf 1 / 0,18 ≈ 5,6.

Daraus folgt: Je höher das unternehmensspezifische Risiko und das allgemeine Zinsniveau, desto niedriger der Multiple. Das Zinsniveau ist seit der Zinswende deutlich gestiegen – der für Unternehmensbewertungen maßgebliche Basiszinssatz nach IDW S 1 liegt zum 1. September 2026 gerundet bei 3,75 Prozent. Hinzu kommt die vom Fachausschuss für Unternehmensbewertung des IDW empfohlene Marktrisikoprämie von 5,25 bis 6,75 Prozent vor persönlichen Steuern sowie bei KMU ein erheblicher Zuschlag für Größe, geringe Fungibilität und Inhaberabhängigkeit. Die Praktikerformel ist eine Vereinfachung: Streng genommen gilt die Kehrwertlogik für frei verfügbare Cashflows nach Steuern und Investitionen – der Branchen-Multiple bildet diese Faktoren nur pauschal ab.

Aktuelle KMU-Multiples 2026

Eine der meistgenutzten, frei zugänglichen Quellen für den deutschen Mittelstand sind die DUB KMU Multiples der Deutschen Unternehmerbörse. Sie beruhen auf den aggregierten Markteinschätzungen von über 25 M&A-Beratern und Finanzinstituten im deutschsprachigen Raum, werden quartalsweise aktualisiert und unterscheiden seit 2026 drei Größenklassen. Die öffentlich veröffentlichten Werte beziehen sich auf das bereinigte EBITDA.

BrancheMicro-Cap (< 5 Mio. € Umsatz)Small-Cap (5–50 Mio. € Umsatz)
Bauhaupt- und Baunebengewerbe (Handwerk)3,8–5,04,4–5,8
Chemie, Kunststoffe und Verpackung3,6–4,65,2–6,4
Elektrotechnik und Elektronik4,2–6,25,5–8,0
Fahrzeugbau und Automotive2,8–4,53,8–5,1
Finanzdienstleistungen und Versicherungsmakler5,0–6,56,0–7,7
Gesundheitswesen: Pflege und Dienstleister4,0–6,05,5–7,2
Handel: E-Commerce und Versand4,3–6,95,4–7,3
Handel: Groß- und Einzelhandel (stationär)3,4–5,04,4–5,6
Immobilien-Dienstleistungen und Facility Management4,1–5,05,2–6,7
IT-Services und Systemhäuser5,7–6,86,8–8,5
Konsumgüter (Non-Food)2,4–4,03,5–5,5
Maschinen- und Anlagenbau3,5–4,54,6–6,0
Medien, Marketing und Agenturen3,1–5,04,9–6,6
Medizintechnik und Life Sciences6,1–8,06,8–9,0
Metallverarbeitung und Fertigungstechnik3,4–4,23,9–5,4
Nahrungs- und Genussmittel4,4–5,85,5–7,0
Software und digitale Plattformen6,3–8,07,8–9,5
Telekommunikation und Infrastruktur4,8–6,75,9–7,9
Transport, Logistik und Spedition3,7–5,24,5–5,6
Unternehmensnahe Dienstleistungen (B2B)3,5–5,55,0–7,0
EBITDA-Multiples für KMU, Stand Q2/2026

Zwei Muster fallen auf: Erstens steigen die Multiples mit der Unternehmensgröße – kleine Betriebe gelten als riskanter und stärker vom Inhaber abhängig. Zweitens erzielen Branchen mit wiederkehrenden Umsätzen und Skalierbarkeit (Software, IT-Services, Medizintechnik) die höchsten Faktoren, während zyklische, kapitalintensive Branchen wie Automotive, Metallverarbeitung und Konsumgüter am unteren Ende liegen.

Beispielrechnung

Eine Maschinenbau-GmbH mit 4 Mio. € Umsatz (Micro-Cap) erzielt ein bereinigtes EBITDA von durchschnittlich 500.000 € – nach Ansatz eines marktüblichen Geschäftsführergehalts.

  • Unternehmenswert: 500.000 € × 3,5 bis 4,5 = 1,75 bis 2,25 Mio. €

  • abzüglich Nettofinanzverbindlichkeiten (Bankdarlehen minus freie Liquidität), z. B. 400.000 €

  • Wert des Eigenkapitals (Kaufpreis für die Anteile): 1,35 bis 1,85 Mio. €

Dieser letzte Schritt wird häufig vergessen: Der Multiple liefert den Wert des gesamten Unternehmens, nicht den Kaufpreis für die Anteile. Zinstragende Schulden gehen ab, nicht betriebsnotwendiges Vermögen (etwa überschüssige Liquidität oder eine vermietete Immobilie) wird gesondert hinzugerechnet.

Wo innerhalb der Spanne?

Ob ein Betrieb am oberen oder unteren Ende der Bandbreite landet, hängt von individuellen Faktoren ab:

  • Aufschläge: hoher Anteil wiederkehrender Umsätze, stabile Margen, nachweisbares Wachstum, eine zweite Führungsebene, Alleinstellungsmerkmale, breit gestreute Kunden und Lieferanten.

  • Abschläge: starke Inhaberabhängigkeit, Abhängigkeit von wenigen Großkunden, sinkende Ergebnisse, Investitionsstau, hohe Energieintensität, schwer besetzbare Schlüsselpositionen.

Grenzen der Methode

Multiples sind ein Orientierungswert, kein Marktpreis. Sie basieren auf Durchschnitten und Experteneinschätzungen, nicht auf dem konkreten Betrieb. Verschiedene Anbieter kommen zudem zu unterschiedlichen Werten, je nachdem, ob sie abgeschlossene Transaktionen, Kaufangebote oder Beraterschätzungen auswerten. Für Preisverhandlungen, Finanzierungsgespräche oder steuerliche Zwecke ist eine fundierte Bewertung nach Ertragswert- oder DCF-Verfahren (etwa nach IDW S 1 oder dem vereinfachten Ertragswertverfahren) unverzichtbar. Der tatsächlich erzielbare Preis entsteht am Ende in der Verhandlung – und hängt auch davon ab, wie viele Kaufinteressenten es gibt und wie der Käufer die Übernahme finanzieren kann.

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