Deutschland ist mittlerweile ein Hochlohnland vor allem für produzierende Unternehmen. Zusammen mit den Energiekosten ergibt sich daraus eine für den Standort Deutschland gefährliche Entwicklung der zunehmenden Deindustrialisierung.
Arbeitskosten im Vergleich
Bei den Industrielöhnen pro Stunde zu Vollkosten (Bruttolöhne, Sozialversicherungsbeiträge des Arbeitgebers, Sonderzahlungen und sonstige Personalaufwendungen) liegt Deutschland im internationalen Vergleich an Top-Position. Hier die Werte aus verschiedenen Quellen in aufgerundeter Form:
- Deutschland 44 Euro
- USA 29 Euro
- Spanien 18 Euro
- Polen 12 Euro
- Ungarn 11 Euro
- China 10 Euro
- Rumänien 9 Euro
Deutschland ist damit der teuerste Industriestandort. Die Arbeitskosten gegenüber dem EU-Durchschnitt liegen 30 Prozent höher. Doch selbst die niedrigen Arbeitskosten in Rumänien sind für viele Industrieunternehmen noch zu hoch. Hier die aktuellen Billigheimer der Welt:
- Äthiopien 0,5-1 Euro
- Bangladesch 1 Euro
- Vietnam 4 Euro
- Indien 4,50 Euro
- Indonesien 5 Euro
Vor allem die Textil- und Lederindustrie lässt in Äthiopien und Bangladesch produzieren. Dazu gehören z. B. KiK, Otto, Tchibo, C & A, Boss und Seidensticker. Nach Vietnam, Indien und Indonesien zieht es immer mehr Maschinenbau-. Elektro- und Chemieunternehmen. Die Karawane zieht also von China aus weiter. Westliche Industrieländer wären nur durch Subventionen und Produktivitätsvorteile wettbewerbsfähig.
Was tun?
Deutsche Unternehmen, die weder produzieren noch Standorte verlagern können, setzen vor allem auf Digitalisierung, Prozessoptimierung und gezielte Budgetumschichtung, um Kosten zu senken. Typische Maßnahmen reichen von der Automatisierung interner Abläufe bis zur Verhandlung besserer Konditionen bei Dienstleistern und Lieferanten, wobei die strategische Nutzung digitaler Lösungen laut vieler Experten als besonders wirksam gilt.
Zudem versuchen die Wirtschaftsverbände, die Politik zu beeinflussen, die Bürokratielasten abzubauen, die Energiekosten zu senken und den Druck durch Subventionen zu mildern. Doch die Erfolge sind eher dürftig. Der Mittelstand verliert daher zunehmend die Geduld.
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