Für viele mittelständische Unternehmen gehören Planung, Liquidität und Finanzierung derzeit zu den zentralen Steuerungsthemen. Steigende Kosten, veränderte Finanzierungsbedingungen, schwankende Auftragseingänge oder strukturelle Veränderungen im Markt können dazu führen, dass die wirtschaftliche Stabilität eines Unternehmens genauer betrachtet werden muss. In solchen Situationen gewinnen die Fortführungsprognose und die Going-Concern-Prämisse an Bedeutung.
Was leistet eine Fortführungsprognose
Die Fortführungsprognose beschäftigt sich mit der Frage, ob ein Unternehmen seine Geschäftstätigkeit in der Zukunft voraussichtlich fortsetzen und seine Zahlungsverpflichtungen erfüllen kann. Sie ist damit ein wichtiges Instrument, um die wirtschaftliche Lage realistisch einzuschätzen und mögliche Risiken frühzeitig zu erkennen.
Going Concern in der Rechnungslegung
Davon zu unterscheiden ist die Going-Concern-Prämisse in der handelsrechtlichen Rechnungslegung. Jahresabschlüsse werden grundsätzlich unter der Annahme erstellt, dass das Unternehmen fortgeführt wird. Bestehen jedoch konkrete Anhaltspunkte, die gegen diese Annahme sprechen könnten, muss die Unternehmensleitung diese Einschätzung überprüfen und nachvollziehbar begründen.
Bedeutung für Geschäftsführung und Finanzierungspartner
Für die Geschäftsführung ist dies nicht nur eine formale Frage der Rechnungslegung. Eine belastbare Beurteilung der Fortführungsfähigkeit kann für Gespräche mit Banken, Gesellschaftern, Investoren, Lieferanten oder anderen Finanzierungspartnern entscheidend sein. Sie schafft Transparenz und zeigt, ob ein Unternehmen über eine tragfähige Planung verfügt.
Die integrierte Unternehmensplanung bildet die wesentliche Grundlage
Dazu gehören insbesondere die Ertrags-, Finanz- und Liquiditätsplanung. Entscheidend ist, dass die Annahmen plausibel sind, die Zahlen konsistent sind und die Risiken angemessen berücksichtigt werden. Eine Planung, die nur auf optimistischen Erwartungen beruht, bietet keine belastbare Entscheidungsgrundlage.
Frühzeitig prüfen, Handlungsspielraum sichern
Gerade in wirtschaftlich angespannten Phasen ist eine frühzeitige Prüfung sinnvoll, um den Handlungsspielraum zu sichern. Sie hilft dabei, Handlungsbedarf zu erkennen, geeignete Maßnahmen abzuleiten und den verfügbaren Handlungsspielraum zu erhalten. Dazu können Anpassungen in der Finanzierung, der Kostenstruktur, der Organisation oder der strategischen Ausrichtung gehören.
Externe Anforderungen berücksichtigen
Auch Dritte können eine geprüfte oder fachlich eingeordnete Going-Concern-Prognose verlangen, etwa Banken im Rahmen von Finanzierungsentscheidungen. In solchen Fällen ist eine unabhängige Beurteilung hilfreich, um die Nachvollziehbarkeit und Tragfähigkeit der zugrunde liegenden Annahmen zu dokumentieren.
Fazit: Nicht erst in der akuten Krise handeln
Für den Mittelstand gilt: Eine Fortführungsprognose und eine Going-Concern-Prognose sollten nicht erst dann Thema werden, wenn eine Krise bereits akut ist. Wer die wirtschaftliche Entwicklung regelmäßig überprüft und kritische Entwicklungen frühzeitig einordnet, kann fundierter entscheiden und rechtzeitig reagieren.
Nacken Hillebrand Partner unterstützt Unternehmen bei der wirtschaftlichen Analyse, der Einordnung von Planungsrechnungen und der Beratung in anspruchsvollen Unternehmenssituationen.




